ENGMATEC GmbH: Vorläufige Eigenverwaltung in Konstanz – Betrieb läuft weiter
Sondermaschinenbauer mit Fokus auf Prüf-, Montage- und Testtechnik
Die ENGMATEC GmbH mit Sitz in Radolfzell (Baden-Württemberg) ist ein Sondermaschinenbauer und entwickelt kundenspezifische Projektlösungen in der Test-, Montage- und Prüftechnik. Die Anlagen und Systeme werden unter anderem in der Elektronikproduktion und im Automotive-Umfeld eingesetzt. Am Standort Radolfzell sind nach den vorliegenden Angaben zentrale Funktionen gebündelt: Vertrieb, Fertigung, Entwicklung, Software/Steuerung und Montage. Zusätzlich besteht ein Produktionsbezug nach Rumänien über eine Tochtergesellschaft.
Antrag Anfang März – seit 03. März 2026 vorläufige Eigenverwaltung
Als Startpunkt des Verfahrens wird der Zeitraum 02.03.2026 bis 03.03.2026 genannt. Am 02.03.2026 wurde ein Eigenverwaltungs- beziehungsweise Insolvenzantrag gestellt; am 03.03.2026 wurde die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Damit handelt es sich um ein Verfahren, in dem das Unternehmen die Sanierung grundsätzlich selbst steuert, aber unter gerichtlicher Aufsicht und Kontrolle.
Amtsgericht Konstanz zuständig – Aktenzeichen öffentlich nicht ausgewiesen
Zuständig ist das Amtsgericht Konstanz. Ein Aktenzeichen ist in den frei zugänglichen Informationen, auf die sich diese Darstellung stützt, nicht ausgewiesen. Für die praktische Einordnung ist entscheidend: Eigenverwaltung bedeutet, dass die operative Verantwortung grundsätzlich beim Unternehmen verbleibt, während das Verfahren über einen Sachwalter überwacht wird.
Sachwalter und Sanierungsführung: Aufsicht plus Verstärkung in der Geschäftsführung
Als vorläufiger Sachwalter wird Rechtsanwalt Jochen Sedlitz genannt. Zusätzlich wird Rechtsanwalt Marc-Philippe Hornung als weiterer Geschäftsführer zur Umsetzung der Eigenverwaltung beschrieben. Die operative Geschäftsführung soll weiterhin bei Peter Sauter liegen. Diese Rollenverteilung entspricht einer typischen Eigenverwaltungs-Konstellation: operative Kontinuität, ergänzt durch sanierungserfahrene Unterstützung und die Kontrolle durch den Sachwalter.
Operative Lage: Fortführung ohne Einschränkungen, Insolvenzgeld als Brücke
Der Geschäftsbetrieb soll nach der vorliegenden Kommunikation vollumfänglich und ohne Einschränkungen fortgeführt werden. Zudem wird Insolvenzgeld als Stabilisierungselement in der Anfangsphase genannt. Für Kunden und Projektpartner ist das vor allem deshalb relevant, weil Fortführung in einem projektgetriebenen Sondermaschinenbauumfeld signalisiert, dass laufende Projekte, Lieferungen, Montage- und Inbetriebnahmetermine grundsätzlich weiter bedient werden sollen.
Kommunizierte Ursachen: Projektverschiebungen, Stornos und internationaler Preisdruck
Als Belastungsfaktoren werden eine konjunkturelle Schwäche, Projektverschiebungen und Projektstornos sowie ein verschärfter internationaler Wettbewerb beschrieben. Ergänzend wird die Lage seit 2025 als angespannt eingeordnet: Kunden würden Projekte reduzieren, verschieben oder stornieren, während der Preiswettbewerb – auch durch asiatische Wettbewerber – zunehme. In der Logik des Sondermaschinenbaus passt das zu einem Umfeld, in dem Auftragseingänge zyklisch reagieren, während Engineering- und Fertigungskapazitäten nur begrenzt kurzfristig anpassbar sind.
Struktur und Beteiligungen: Rumänien-Tochter und Konzernbezug
Zur Unternehmensstruktur wird genannt, dass ENGMATEC Beteiligungen an zwei Gesellschaften hält: 100 Prozent an der Engmatec Tecona GmbH sowie 85 Prozent an der S.C. ENGMATEC S.R.L. in Rumänien. Außerdem wird für den Stichtag 31.12.2023 ein Konzernbezug beschrieben: 90 Prozent der Gesellschaft sollen der Schauenburg Industrie Produktion GmbH zugeordnet gewesen sein, zudem soll ENGMATEC in den Konzernabschluss der Schauenburg International GmbH einbezogen worden sein. Solche Konzernstrukturen sind für Sanierungen grundsätzlich relevant, weil sie Finanzierung, Reporting und mögliche Unterstützungsmechaniken beeinflussen können – konkrete Aussagen dazu sind in den vorliegenden Angaben jedoch nicht enthalten.
Was das Verfahren für Stakeholder praktisch bedeutet
Für Kunden im Automotive- und Elektronikumfeld ist die klare Fortführungsbotschaft zentral: Entscheidend ist, dass laufende Projekte, Abnahmen und Inbetriebnahmen stabil bleiben. Für Lieferanten und Dienstleister ist typisch, dass Projektmeilensteine, Freigaben und Dokumentation in einer Eigenverwaltung besonders wichtig werden, weil Liquiditätssteuerung und Priorisierung stärker formalisiert ablaufen. Für Mitarbeitende ist der Hinweis auf Insolvenzgeld ein klassisches Signal, dass die Personalkosten in der frühen Phase abgesichert werden sollen, um die operative Leistungsfähigkeit in der Sanierung zu erhalten.
Ausblick: Stabilisierung im Betrieb, Sanierung im laufenden Projektgeschäft
In Summe steht ENGMATEC in einem vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren mit klar kommunizierter Fortführung. Die nächsten Wochen werden vor allem davon geprägt sein, wie das Unternehmen Projekte priorisiert, Auftragssituation und Kostenbasis stabilisiert und die Sanierung im laufenden Geschäft umsetzt – unter Aufsicht des Sachwalters und mit sanierungserfahrener Verstärkung in der Geschäftsführung.